Kilometer 0 - Montag 27. September, 10.00 Uhr Abreise am KuBa

 

Kilometer 0
Montag 27. September, 10.00 Uhr Abreise am KuBa

 

Zum Aufbruch

Kilometer Null

 

Grau entlässt Euch der Norden,

Wie´s sich gehört.

Doch gleich den Zugvögeln

Geht"™s Richtung Süden

In einen Rest von Sonne.

 

Rein in die Pedale!

Macht die Augen auf.

Schärft den Blick.

Spitzt die Ohren.

Ihr seid unterwegs in die Fülle.

Viel gibt es zu sehen, zu berichten.

 

Grüßt den Gotthard,

Stürzt nicht in die Tiefe.

Und grüßt den Mediterran,

die Piazza del Duomo in Pisa.

Genießt die Auftritte der Schönen in Rom,

Stärkt Euch auf der Piazza de la Rotonda.

Schlagt die Augen auf, Ihr blickt in Jahrtausende.

Werft die Münze in den Brunnen.

Rastet im Garten der Villa Cimbrone,

auf den Wiesen von Herkulaneum und Paestum.

 

Steigt hinauf in die Asche des Vesuvs,

Vergesst nicht das Drama "šPompeji"™.

Kommt gut durch die Meerenge von Messina,

Wo Skylla und Charybdis hausen seit Odysseus"™ Zeiten.

 

Kehrt nicht zurück, bevor Ihr gesehen habt:

Die Quelle der Arà©thusa in Syrakus, der Alpheios verfiel.

Das Meer in Selinunte, im Rücken die Tempel.

Und die Rauchschwaden am Ätna,

das antike Segesta.

Die Pracht und Grüfte in Palermo,

den Dom mit dem Grab des Staufers,

den Kreuzgang in Monreale.

 

Werft die Münze über die linke Schulter,

Sonst gibt"™s keine Wiederkehr.

Habt eine gute Fahrt!

Kommt zurück

Mit reicher Ernte.

 

AmS, 26.9.2010

 

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27. September 2010

Allen unseren herzlichen Dank für die rührende Verabschiedung, für Anrufe, SMS, das Gedicht zum Aufbruch, die guten Wünsche und die winkenden Hände. Selbst die Gänse in Güdingen standen Spalier - wie zum Abschied.

 

Kilometer 65: die erste heiße Brühe. Es ist nicht wirklich warm sondern sau kalt.

Wir fahren unterhalb der Schweißgrenze.

 

Kilometer 119, Saverne: Bed and Breakfast bei Familie Morere direkt beim Schloß Rohan, chinesisches Essen in der Stadt, zum Nachtisch "gebadete Banane" samt Nachhilfe in Chinesisch und feststellen dass das mit dem Internet heute nicht klappt...

 

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28. September 2010

Kilometer 261:

Bis Straßburg leichter Nieselregen, dafür Rückenwind. Danach das Highlight am Rhein: unbefestigte Radwege, fetter Gegenwind und eher tröge Landschaft - nix wie Wasser eben.

nach 30 Kilometern wechseln wir wieder auf die Straße, fahren durch Fachwerk-Dörfchen und Weinberge, das Schwarzwaldpanorama immer im Blick - besser!

 

Unterkunft in Grießheim (10 km unterhalb von Breisach am Rhein) - dankbar für heiße Dusche und selbstgekochte Nudeln.

 

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29. September 2010

Kilometer: 396, Geuensee (CH)

 

Morgenstimmung im Schwarzwald mit Frühnebel und Rapsfeld (?). Danach radeln wir am Rhein  entlang bis Basel, der unbefestigte Weg macht uns heute nichts mehr aus, vermutlich steht einfach nur der Wind besser. Ab Basel sind die Radwege super gut ausgeschildert und zu regelrechten Radautobahnen ausgebaut, das Schild mit Nummer 3: Route Nord Süd wird unser ständiger Begleiter. Aarau empfängt uns mit unendlich dichten Schwärmen von Mücken bevor es uns seine wunderschöne Innenstadt zeigt. Von hier aus geht es noch bis Geuensee wo wir in einem "Baustellenzimmer" übernachten. Man riecht noch die frische Farbe an den Wänden, die Matratzen tragen noch fabrikneue Plastiküberzüge, keine Heizung... Wir kochen uns Nudeln im Zimmer und freuen uns in der schockierend teuren Schweiz überhaupt eine halbwegs bezahlbare Unterkunft zu finden...

 

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30. September 2010

Kilometer: 511, Göschenen (CH)

 

Der Wettergott meint es weiterhin recht gut mit uns. Ab und an schickt er Nieselregen, doch das hält sich alles in Grenzen.  Die genialen Radwege werden rund um den Vierwaldstätter See zuweilen sehr spektakulär. Wir fahren mit unseren dicken Gepäcktaschen auf engen Bürgersteigen, links brettern die LKW entlang, Tunnel wollen durchquert oder umfahren werden, die Abbruchgefahr-Schilder tun das ihre, dass die Sache nicht immer vertrauenerweckend scheint. Den See überqueren wir mit einer Autofähre, dann weiter Richtung Gotthard. Wir wollen das erste Stück bis Göschenen heute schon hinter uns bringen. Kurz von dem Anstieg gibt uns eine nette Tankstellen-Dame frisches Wasser und erklärt den Weg zur nächsten Bäckerei, schließlich brauchen wir ständig was zu beißen.  Und in Göschenen haben wir uns ein großes Bier verdient.

 

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1. Oktober 2010

1.Oktober,  Kilometer 616, Bellinzona

Die ganze Nacht hindurch hatte es geregnet. Unsere Wirtin erkundigt sich für uns bei der Tourismus Zentrale ob der Pass Schnee hat und gibt grünes Licht. Begleitet von Gute Reise Wünschen verlassen wir Göschenen, kurbeln langsam den Berg hinauf nach Andermatt. Die Schweizer sind sehr rücksichtsvoll Radfahrern gegenüber. Bis auf einen. Den treffen wir auf dem ausgeschilderten Radweg kurz vor Andermatt, er ist unterwegs mit Walkingstöcken. Auf Dieters Klingeln nimmt er sofort den gesamten Weg ein, fuchtelt wild umher und versucht nach dem Rad zu schlagen.  Auch mir stellt er sich in den Weg so dass ich absteigen muss und beschimpft mich lautstark mit SauSchwabe. "Ich bin kein SauSchwabe Du alter Ochse" und dann ducke ich mich vor seinem Stock und trete wieder in die Pedale...

Bis hinauf zum Pass bleibt es trocken. Oben ein paar Beweisfotos und schnell alles Trockene anziehen was wir haben. Die Fahrt nach unten ist sehr kalt, der Wind dringt durch jede Ritze, genauso die Feuchtigkeit von den Wolken und dem einsetzenden Nieselregen. Ein warmer Cafe in Aiolo bringt Wiederbelebung, danach rollen wir bis Bellinzona - es geht ständig bergab, kaum zu glauben dass wir das alles hochgefahren sind.

Hier stehen wir so lange mit dummem Gesicht vor einem stinkteuren Hotel bis uns eine nette Frau aufgabelt und uns eine Privatunterkunft anbietet. Uff. Frühstücken dürfen wir morgen trotzdem mit drei Sternen.

 

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2. Oktober 2010

Kilometer 748, Abbiategrasso (I)

Heute verlassen wir die hochpreisige Schweiz und gleichzeitig auch die schönen Radwege. Grenzübergang Como, der Zöllner winkt uns zu, statt die Pässe sehen zu wollen. Direkt danach werden wir von italienischen Strassen begrüßt, die wahrlich ein Paradies für Schlagloch-Freaks sind.  Ein Härtetest - nicht nur für unsere Gepäckträger.

In Como kaufen wir eine Internet-Telefonkarte - endlich....um diese Seite aktuell halten zu können.

Am Abend finden wir B & B in Abbiategrasso - wollten auch noch Pizza essen aber es ist Samstag ... und ohne Vorbestellung geht da gar nix - also muss der Campingkocher wieder ran.

 

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3. Oktober 2010

Kilometer 883, Genua

 

Sonntag. Auf dem Marktplatz spielt eine Blaskapelle zum Feste di Mela (Apfelfest). Menschen sitzen auf dem Platz an der Kirche, Hunde bellen hinter uns her. Wenig Verkehr, kleine Dörfchen, vorbei an Friedhöfen die wie Festungen scheinen, Felder, brettflaches Land. Kein Wunder wir durchfahren die Po Ebene. Die Brücke, die uns über den Po führt ist eine eigenartige Stahlkonstruktion, das Kopfsteinpflaster könnte holpriger nicht sein. Vom Fluß sieht man eher das Kiesbett.

Bis zu den Appeninnen ist es leichtes Spiel aber die Berge wollen noch überquert werden. Oft mühe ich mich im kleinsten Gang ab - und das Schlimme: es sieht optisch noch nicht mal steil aus - ist es aber, mal verliert einfach nur den Blick dafür.

Am Gipfel machen alle Halt, so auch wir und das ältere Pärchen mit Vespa und Hund, der unterwegs einfach in eine Umhängetasche verladen wird.

Aus der stillen Bergnatur geht es hinunter in die Industrievorstädte und den Verkehr von Genua. Gut dass es Sonntag ist, Wochentags hätten wir das nicht überlebt. Das gelblich gewittrige Licht verleiht der Szene eine unwirkliche Atmosphäre, ich fühle mich in ein Pink Floyd Plattencover versetzt.

Unsere Unterkunft ist größtenteils aus Plastik, zumindest die "Nasszelle" - na ja morgen soll s eh regnen...

 

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4. Oktober 2010

Kilometer 937, Chiavari

 

Die Wetterprognose vermeldet nicht´s Gutes. Unsere Wirtin in Genua macht große Augen dass wir wirklich heute Rad fahren wollen, wünscht und buon divertimenti (gute Unterhaltung) und meint sie geht jetzt wieder bügeln. Wir rollen auf der Busspur durch den morgendlichen Berufsverkehr von Genua.

Im Hafen liegen Schiffe die eher an Hochhäuser erinnern. Dunkelste Gewitterwolken hängen über Stadt und Meer, noch gibt es nur kurze Schauer, später holt uns ein knackiger Regenguss ein.  Eine Tankstelle bietet Schutz, die benachbarte Bäckerei Panini zum Frühstück.

Bei jedem Umdrehen sehen wir die Gewitterwolken hinter uns hängen, radeln ihnen davon, die Küstenstraße entlang, auf und ab. Wir fühlen uns wie Versuchskaninchen im Windkanal, die man ständig gegen eine Wand fahren läßt -  vor allem in den Tunnels ist an ein Fortkommen kaum zu denken. Die Küstenlandschaft und ihre ständig wechselnden Panoramablicke ins Tal, ist allerdings so grandios, dass es für alles entschädigt. Wir fahren auf der Via Aurelia, die uns vermutlich bis Rom begleiten wird.

Wir beschließen heute in Chiavari Station zu machen, nutzen die frühe Ankunftszeit um die Wintersachen nach Deutschland zu schicken. Mille Grazie an die Frau aus der Bücherei die Karton und  Klebeband stiftet und uns gute Reise wünscht.

Heute Abend tobt hier das Unwetter, Mülltonnen rollen wie von Geisterhand über die Straße, der Regen fällt äußerst schräg - Egal wir sitzen im Trockenen.

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5. Oktober 2010

Pisa, Kilometer 1086

Regen und Sturm der letzten Nacht haben den Staub von unseren Rädern gewaschen, die gammligen Trinkflaschen haben eine Grundreinigung bekommen und die Brillen wurden von den gestrigen Salzwassergischtspritzern befreit. Eine frische Brise weht vom Meer, reiner könnte der Morgen nicht sein. Auf in die Berge von Cinque Terre ( einer der bisher schönsten und verkehrsärmsten Streckenabschnitte) wo man die Auswirkungen des nächtlichen Unwetters noch gut erkennen kann. Ein Radfahrer der uns zeitweilig begleitet informiert uns, dass sowohl Schiller wie auch Goethe hier in Sestri Levante einige Zeit verbracht haben. Aus den Bergen brausen wir runter nach La Spezia. Auch hier könnte der Wechsel zwischen Natur und Ballungsgebiet ähnlich wie in Genua nicht heftiger sein.  Schiffscontainer, zig- fach in die Höhe gestapelt, den ganzen Hafen entlang. Transit nach Tunesien und Sardinien steht auf dem Schild.

Marina di Carrara: Bester Marmor selbst für die Randsteine an der Straße, die Berge werden von Abräumgeräten durchwühlt, weiße Narben überall im Berg. LKW fahren riesige Blöcke spazieren. Ich sammle ein paar winzige Bröckchen davon auf.

Die Idee war heute zu Campen. Sah alles so gut aus, doch den Platz verlassen wir fluchtartig wegen wildem Moskitoalarm. Die nächste Unterkunft finden wir dann in Pisa. Mit Stirnlampen: Es ist schon längst dunkel...

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6. Oktober 2010

Kilometer 1213, Follonica (45 km vor Grosseto)

Bevor wir starten: kleiner Rundumservice an den Fahrrädern, die bisher tadellos gelaufen sind. Wir verlassen Pisa ohne irgendetwas gesehen zu haben - das heben wir uns für die Rückreise auf. Der Weg führt uns entlang der toskanischen Küstenstraße, wunderschöne Pinienalleen, Weinberge und Olivenhaine. (Nur: blos nicht stillhalten sonst hängen direkt die Blutsauger am Bein!) Der Industriehafen von Livorno hingegen ist wieder beeindruckend riesig und häßlich.

In Follonica reichen die Kilometer für heute aus. Wir sind gespannt wie lange die Zwangsehe zwischen Hinterteil und Sattel noch im grünen Bereich verläuft - zeitweilig steht die Freundschaft schon mal auf wackeligen Füßen.

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7. Oktober 2010

Kilometer 1331, Manciano, Toskana

Keine Wolke am Himmel. Unsere erste Amtshandlung: Sonnencreme kaufen.
Wir sind recht früh unterwegs. In einem Waldstück laufen plötzlich vier kleine Wildschweine vor uns davon - gut dass sie weglaufen, im Unterholz knackt es verdächtig laut, die Alten sind bestimmt nicht weit und wesentlich weniger niedlich wie die Frischlinge.

Vor Grosseto versuchen wir eine Abkürzung über den Fluß zu finden, aber es gibt keine Brücke ... leider verloren. Wie s hinter Grosseto weiter gehen soll ist uns auch noch nicht so richtig klar. Das Problem: es gibt nur noch die "Superstrada" SS1 (Via Aurelia) an der Küste entlang, die ist aber eine regelrechte Autobahn und die Ausweichstrecke führt in ewigem Umweg über die Berge. Wir fragen jemanden und gleich darauf hält ein Polizist auf seiner Vespa an: ob er uns helfen kann. Mit dem Fahrrad nach Rom? Nee mit dem Fahrrad kann man eigentlich gar nicht nach Rom fahren, sagt er. Die Autobahn ist zu gefährlich!!! Selbst mit der Vespa!!! Und über die andere Straße geht es nur hoch und runter - da kann man also auch nicht fahren.
Wir radeln durch die Hügel der Toskana und bereuen es keinen Meter. Die Strecke ist wunderschön, in der Tat sehr wellig und führt uns heute bis Manciano, das sich wie eine Festung auf ihrem Hügel behauptet.

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8.Oktober 2010

Fregene (Küstenort vor Rom), Kilometer 1473

So beginnt ein guter Tag:
"Ich koch uns jetzt einen Kaffee und dann fahren wir nach Rom"...
Das tun wir dann auch.

Auf dem Weg begegnet uns die erst lebende Schlange - recht groß ist sie sogar. Sonst sehen wir die Tiere nur plattgefahren auf dem Asphalt.
Es gibt nicht viel Verkehr in der Toskana aber umso mehr Blech um die Fahrer herum ist, um so rücksichtsloser fahren sie an einem vorbei. Vor allem den LKW s ruft man da gerne mal ein "eh du sau" hinterher - es juckt sie wenig, aber uns geht es danach besser.

Bevor es runter zur Küstenstraße geht machen wir Mittagspause - mit nur einem einzigen Moskito - also ein Traum von einem Rastplatz...

Vorbei an Tarquinia mit seinen alten Türmen, Civitavecchia, mal wieder mit viel Industrie, geht es am Meer entlang bis vor die Tore Roms. Wir sind jedoch froh von weitem grüßen zu können und den Großstadtverkehr links liegen zu lassen.

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9. Oktober 2010

Terracina, Kilometer 1598

Katze und Hase im gleichen Fellkleid sind die Stars des Morgens. Wir müssen das ulkige Treiben der beiden Tiere eine Weile beobachten bevor es los geht.

Der Flughafen "Leonardo da Vinci" ist so ziemlich das einzige was wir von Rom sehen, bestaunen die Flugzeuge, die in kurzen Abständen über uns hinweg ziehen.
Dem Verkehr von Rom sind wir entronnen, nicht aber den Schlaglöchern von Ostia. Eines ist richtig brutal und lässt die Klappe meiner Lenkertasche auffliegen. (Die Druckknöpfe hatten vor zwei Tagen ihren Geist aufgegeben.) In hohem Bogen hebelt es die Kamera aus der Tasche, sie knallt auf den Asphalt. - Scheiße, das war´s jetzt, denke ich.  Die geht nicht kaputt bevor der Akku leer ist, meint Dieter dazu. Und tatsächlich, das brave Gerät tut weiterhin seinen Dienst obwohl ihm An/Aus Schalter und Auslösetaste fehlen. Die beiden abgeplatzten Teile können wir noch von der Straße retten und stecken sie gut ein.

Die holprigen Straßen begleiten uns für den Rest vom Tag. In Grappa verliere ich die Rolle, die hinten quer auf dem Gepäckträger verstaut ist und ernte wildes Gehupe... ja, ja wir haben´s schon gemerkt dass was fehlt.

Wir bleiben größtenteils an der Küste, rechts das Meer, auf der linken Seite kann man schon die Silhouetten der Abruzzen erkennen. Irgendwann entdecken wir ein Kiwifeld an dessen Monster-Früchten wir uns gerne bereichern würden. Leider ist das Obst am Baum super schön anzuschauen aber knüppelhart. Eine nehmen wir mit und warten was passiert...

Hier in Terracina hätten wir eigentlich noch einmal um den Block fahren sollen um die 1600 km voll zu bekommen... Na, ja in jungen Jahren hätten wir das wohl getan heute sind wir gelassener.

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10.Oktober 2010

Kurz nach Neapel, 7,5 km vom Kratermittelpunkt des Vesuv entfernt, Kilometer 1738

Pizzeria, Vino, wir sind müde. Das allseits beliebte Kopfsteinpflaster vor Neapel, in Neapel und nach Neapel hat uns heute Abend den Rest gegeben. Wir können das grandiose Lichtermeer der Stadt nur in winzigen Momenten genießen, wenn es einen kurzen Moment ohne ganz viel Verkehr gibt.

Klar man schielt immer wieder rechts und links - die Stadt ist einfach irre gerade in dieses nächtliche Licht getaucht. Vor zwei Jahren sind wir hier gewesen - ebenso in Rom - und haben uns wie richtige Touristen alles angesehen.

Wir beginnen von vorne: Dieter erwacht mit heftig zugeschwollenem Auge. Gestern ist etwas reingeflogen das wir trotz großer Anstrengung nicht ganz operativ entfernen können, ein schwarzer Punkt bleibt zurück. Wir hoffen auf Selbstheilung und fahren los.

Ich fühle mich ziemlich kraftlos, das erste Mal. Irgendwann fällt mir das Rad im Stehen aus der Hand... bestimmt war das Frühstück nicht ausreichend. Der andauernde Gegenwind macht es auch nicht besser. Erst die Mittagspause am Meer, wo wir ordentlich unsere Essensvorräte dezimieren schafft Abhilfe, danach tritt es sich besser, auch wenn ich gestehen muss, dass sich schon wieder eine Stunde später Gelüste nach gebratenen Hühnern einstellen...

In Mondragone erkennen wir ein kleines Cafe wieder, in dem wir vor zwei Jahren gewesen sind. Die Mülltonnen laufen über - genauso wie beim letzten Mal - nur damals war Müllabfuhr Streik bis Neapel und die Sache stank zum Himmel...

Einige Kilometer später sehen wir schlagartig nur noch Männer aus Afrika. Zumeist in Gruppen zusammen an den Bushaltestellen stehen, viel Gepäck haben sie dabei. - Fahren die wirklich alle mit dem Bus an die Promenade von Napoli um ihre Guzzi Taschen anzubieten? - Dort sieht man sie abends wieder zuhauf. (?)

Vor Pozzuoli steht in jeder Einbuchtung eine viel zu junge Afrikanerin. Die Mädels schminken sich für die Nacht - warten auf Freier. Sie sind viel zu schön für diese Welt.

Napoli liegt nun hinter uns, wir sind im Fabric Hostel - eine Empfehlung einiger Jungs die sich - schon leicht angetrunken - erst mal darauf einigen mussten ob sie uns recht oder links schicken...wir haben es wie durch ein Wunder trotzdem gefunden, es gibt ein Konzert heute Abend von dem wir aber vermutlich nicht mehr viel mitbekommen - Heia...

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11.Oktober 2010

Agropoli, Kilometer 1832

Unsere Hoffnung auf Selbstheilung von Dieters Auge hat sich erfüllt, der schwarze Punkt hing irgendwann im Augenwinkel und konnte leicht entfernt werden...

Obwohl wir die Pizza Teller gestern bis zum letzten Krümel leer gemacht haben, schüttet es draußen wie aus Kübeln. Bis zur Check Out Time 10:30 bleiben wir in unserem Fabric-Hostel, der Regen läßt ein wenig nach und wir holpern mal los. Die ersten fünf Kilometer auf Kopfsteinpflaster, es fühlt sich an als ob wir die Fahrräder gegen einen römischen Kampfwagen getauscht hätten. Überhaupt: Die rotierenden Messer an den Rädern der alten Kampfwägen würde ich mir gerne für mein Fahrrad wünschen. Um den Feind einzuschüchtern und auf Abstand zu halten. In solchen Disziplinen wie:  Autotüren direkt vor Dir aufreißen, links überholen und dann noch schnell rechts vor Dir abbiegen etc sind die Italiener die ungeschlagenen Meister.

Die einzige Steigerung hierzu sind die halsbrecherischen Manöver der Moped und Rollerfahrer, die sogar ihre Verkleidung abschrauben um durch noch engere Lücken brechen zu können.

Dem Vesuv ist das heute alles zu blöd - er versteckt sich hinter einer dicken Wolkenschicht.
Bis lange hinter Pompei sind die Straßen sehr verstopft, Stop and Go, weil immer irgendwer grad ein- oder ausparkt oder in der zweiten Reihe anhält um zu telefonieren.

Bei Salerno wird der Regen noch mal zum Sturzbach, die Straßen total überflutet, da kommen sogar die kleinen Pandas ins Schwimmen...
Bis Paestum sind die Regensachen aber wieder getrocknet, wir bewundern die beeindruckende Kulisse mit griechischen Tempel im Abendlicht und freuen uns in Agropoli ein nettes "Bed und Breakfast" für die Nacht zu finden.

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12. Oktober 2010

Sapri, Kilometer 1948

Die Strandpromenade von Agropoli entlang rollen, die Sonne scheint heute wieder für uns, doch kurze Zeit später endet der geplante Weg vor einem Verbotsschild für Fahrräder - klar auf die Autostrada wollen wir ja auch nicht. Statt dessen geht s in die Berge, sogar durch ein Naturschutzgebiet.
Wir werden Zeuge von der genialen Methode mit der hier die Oliven geerntet werden: Eine Baumrüttelmaschine schüttelt die Ernte von den Zweigen. Die vorher ausgebreiteten Netze fangen diese auf. Später fällt uns auf, dass diese Netze auf allen Plantagen an den Bäumen hängen.

Autos sind heute eher die Seltenheit.

Wir pflücken frische Feigen vom Baum, es gibt wieder Kiwis, Pfirsiche und Granatäpfel - diese leider hinter Zäunen. Die Menschen sammeln Kastanien, schauen recht erstaunt wenn wir vorbeifahren - viele winken uns freundlich zu.

Irgendwann beobachten wir, wie man bei einer Marcelleria (Metzgerei) halbe Tiere auslädt ...

Schön, dass wir es wieder an die Küste schaffen und noch bis Sapri kommen. Das hoch und runter der heutigen Etappe war nicht ohne. Immerhin haben wir über 1700 Höhenmeter  hinter uns gebracht. Der  ständig wechselnde Blick ins Tal und auf die Küste war entsprechend grandios.

Die gegrillten Hühner werden heute Realität - sie sind aber nur die Vorspeise. Pizza und Salat zum Nachtisch. Die Gegend hier ist nicht wirklich touristisch. Steinofenpizza zwischen 2 und 4 Euro... wir glauben es kaum.

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13. Oktober 2010

Campora San Giovanni (irgendwo im Niemandsland von Kalabrien) Kilometer 2086

Nach dem Frühstück schauen wir dem Regen zu, wie er einmal von links oben nach rechts und kurze Zeit später von rechts oben nach links unten fällt. Die Bäume biegen sich als ob sie umknicken müssten. Blitz und Donner, ein Sturm vom Feinsten.
Doch es dauert nicht allzu lange dann ist er vorbei, es bleibt trocken für den Rest des Tages.
Die ersten 40 Kilometer machen richtig Spaß. Kaum Verkehr, schroffe Felsenküste - bloß nicht hinunterschauen - sondern einfach nur genießen. Kleine verschlafene Fischerdörfchen, man blickt in viele freundliche Gesichter.

In einer Salumeria (Salamigeschäft) kaufe ich die beste Salami von Kalabrien - sie ist aber ein bisschen scharf sagt mir die Verkäuferin und gibt mir ein Stück zum Probieren über die Theke. Zu Hause kaufe ich nie Salami, aber hier gehört das einfach dazu. Wir werden herzlich verabschiedet Buon Viagge, gute Reise.

Zur SS 18 (Schnellstraße) gibt es am Nachmittag keine Alternative. Gut dass nicht allzu viel Verkehr ist in diesem recht dünn besiedelten Landstrich. Immer wieder passieren wir alte Ruinen, Festungsmauern und Kirchen aus längst vergangenen Tagen.
In den wenigen trostlosen Städtchen: geschlossene Fensterläden, geschlossene Hotels, verlassene Gebäude, sogar die Geschäfte lassen mittags ihre dicken metallenen Rollläden herunter. Niemandsland eben

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14. Oktober 2010

Bagnara Calabria, Kilometer 2223

Es ist ein wahnsinnig wie die Zeit vergangen ist ...

Noch 17 Kilometer bis zur Fähre nach Sizilien. Die Insel haben wir schon gesehen als wir über die letzte Bergkuppe gerollt sind. In dramatisches Licht getaucht lag sie da - Wolkenberge, Gewitterschauer die sich über dem Meer entluden, irgendwo dazwischen brechen sich die letzten Strahlen der Abendsonne ihren Weg. Ein Schauspiel ohnegleichen.

So schön ist es nicht den ganzen Tag gewesen. Streckenweise hatten wir sehr viel Verkehr, so dass es uns das erste Mal richtig angepisst hat. Manche fahren, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. So können auch Unfälle nicht weit sein. Zuerst lag ein Piaggio Dreirad total zerlegt auf der Straße. Wir sind die einzigen die vorbei dürfen, die Polizei hat alles abgesperrt.

Wir fahren ja auch sonstwo sehr viel mit dem Rad, auch auf belebten Straßen, doch ich habe noch nie so viele Blumenkränze, Kerzen und überfahrene Tiere gesehen wie hier in Italien.

Ein langer Stau dann auch nach Bagnara hinunter. Hier sind wir jedoch die einzigen die noch durchkommen, wenn wir das Gepäck von den Rädern schnallen. Ein Auto hat in der Kurve einen Bus gerammt und sich so verkeilt, dass rechts und links ungefähr zwanzig Zentimeter zum Felsen bleiben. Man frägt uns aufregt ob wir wissen ob die Straße frei ist - ja die Ambulanz wird durchkommen - ,  kurz darauf hört man sie auch schon.
Zwei Kilometer weiter erwischt uns das Gewitter das über dem Meer so toll ausgeschaut hat. Binnen Sekunden sind wir durchweicht bis auf die Haut, trotz Unterstand an einem Rohbau. Wir beschließen hier einen Platz für die Nacht zu suchen und morgen ganz entspannt zur Fähre nach Messina zu radeln.

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15. Oktober 2010

Acireale (Sizilien), Kilometer 2332

Hmmmh lecker, die Radschuhe sind natürlich über Nacht nicht getrocknet. Es ist ein sehr erhebendes Gefühl morgens in die nassen Dinger zu springen um sie über Tag trocknen zu lassen.
So geht es also los richtig Fähre - die für Radfahrer, man höre und staune, kostenlos ist.
In Messina betreten wir sizilianischen Boden und boxen uns erst mal kilometerweit durch den Verkehrsstau. Im Hafen liegt die Queen Viktoria, eines der weltweit größten Kreuzfahrschiffe. Der Kahn ist schon beeindruckend groß. Im Hintergrund ragen die Kirchentürme von Messina wie Spielzeug in den Himmel.
Wir fahren hinaus in Richtung der wunderschönen Küste, Taormina heißt der nächst größere Ort. Von der Verlassenheit der Low Season Kalabriens kann hier keine Rede mehr sein. Es steht auch alles multilingual angeschrieben, sogar auf Russisch... Die Hotels, sogar die Läden, haben geöffnet - sonst erstarrt nämlich das ganze Land von eins bis fünf im Sietaschlaf. Kein Wunder, wir sind ganz nahe beim Ätna der sich ähnlich seinem Kollegen Vesuv in eine dicke Wolkenwand hüllt.
Sollen wir in Anbetracht der Großwetterlage morgen zum Krater oder setzten wir unseren Weg an der Küste fort...?
In Acireale finden wir alleine absolut keine Unterkunft. So fragen wir irgendwen. Die Leute sind sowas von hilfsbereit, begleiten uns bis zur Tür eines Bed & Breakfast, rufen noch den Besitzer für uns an, der in der Nähe unterwegs ist, wir sind den beiden überaus dankbar...

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16. Oktober 2010

Avola, Kilometer 2463

Wir haben uns entschlossen zuerst die Sizilien Runde zu beenden. Auch weil wir uns vor dem nächsten Wochenende in Palermo darum kümmern müssen, auf welchem Weg unsere Räder nach Hause geschickt werden.
Den Ätna heben wir uns also für nächste Woche auf. Heute Morgen trägt er auch nur ein kleines Wolkenhäubchen - schon besser.
Los geht s in Richtung  Siracusa. Irgendwann hört die Straße einfach auf - Baustelle, Absperrung - an der wir auch durch viel Gestrüpp vorbeikommen, müssen trotzdem wieder umkehren, weil dahinter die Brücke fehlt... Die einzige Möglichkeit weiterzufahren ist die Autobahn... die ist total unbefahren, soviel Platz haben wir selten und die Carabinieri hat s auch nicht gesehen... Prima

Siracusa empfängt uns mit Ölraffinerien - und das kilometerweit, eine nach der anderen. Der Sprit an den Tankstellen ist hier bisher so ziemlich am teuersten - versteh das wer will - gut, dass wir keinen brauchen.
Dann tauschen wir die Industriezone gegen die schmalen Gassen von Siracusa, man hört alle Sprachen, viele Touristen sind unterwegs - es gibt aber auch richtig viel zu sehen.

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17. Oktober 2010

Gela, Kilometer 2592

Sonntagsfrühstück in einer Bar bei der Tankstelle. Es sind nur Männer hier, reges Kommen und Gehen, man bleibt nicht lange, trinkt seinen Espresso der fast schon dickflüssig wie Honig aus der Maschine in die kleinen Tassen rinnt. Der besondere Geruch, das Klack klack wenn der Filter in die Maschine geschraubt wird und das dumpfe Geräusch wenn das Pulver hinausgeschlagen wird. Schön dem Treiben zuzuschauen.

Neben der Palme vor unserer Türe sitzt ein schon ergrauter Meister Lampe, spielt mit seinen langen Ohren. Dass ich ihn streichele scheint ihm zu gefallen - er soll auch merken dass Sonntag ist.

Dann geht es hinaus über Land. Die Mandelbäume tragen noch ihre sonnenverbrannten Nüsse, Zitronenbäume, duftende Blumenwiesen mit Olivenbäumen. Ein Traum.
Später säumen Gewächshäuser den Weg. Es sind so unendlich viele, ein ganzes Meer.

In Gela suchen wir lange nach einer Unterkunft. Erst als wir ein Pärchen fragen und genialer weise von den beiden auf ihrer Vespa eskortiert werden, sind wir fündig geworden.

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18. Oktober 2010

Porto Empedocle, Kilometer 2675

"Tell me why I don´t like mondays..."
Jouh, es wieder Montag und wie immer auf unserer Reise:  ss räähnt.
Na ja, anfangs nur leicht und wir fahren los. Den ersten Stop machen wir schon nach zwei Kilometern weil ich beschließe dann doch über die Regenjacke noch einen Regenumhang zu ziehen ... es regnet stärker. Und nach ein paar weiteren Kilometern noch stärker, der Regen wird eher zum Sturzbach, Blitz und Donner begleiten die Szene, leider keine Möglichkeit sich unterzustellen auf weiter Flur.

Jede Straßensenke wird langsam zur Flußdurchquerung. Schön, dass die LKW vorher fröhlich hupen bevor sie uns mehrere Liter der braunen Brühe überspritzen. Irgendwann ist aber auch das egal, die Schuhe sind so voll Wasser, dass einfach nicht mehr rein geht und darüber hinweg läuft...
Das gibt morgen wieder lecker Radschuh denk ich mir... hmmm
An einer Tankstelle finden wir ein trockenes Plätzchen. Für den guten Menschen dort sind wir eine willkommene Abwechslung und dürfen mit ihm Fernsehen schauen - klar bei dem Wetter steigt keiner zum Tanken aus, so ist nicht s zu tun.

Dann schlagen wir uns weitere 17 Kilometer bis zu einer Bar in Licata durch. Die Blicke die uns hier empfangen sind irgendwo zwischen Unverständnis und Mitleid angesiedelt - ohne die nassen Regensachen verkauft man uns sogar einen Kaffee und belegte Brötchen. Warten.

Dieter packt den Laptop aus, bei Il Tempo heißt es: Von rechts wird s heller - und genau da müssen wir hin. Um Drei wird es tatsächlich heller, um halb vier hört der Regen auf. Nun haben wir nur noch den kalten Wind gegen uns. Und der hat sich gewaschen. Sogar bergrunter heißt es kräftig reintreten damit wir ein wenig voran kommen.

Vor Agrigento: nix wie Bauruinen, in Agrigento: das "Tal der Tempel" sie erheben sich direkt vor der Stadt - griechische Zeugen aus längst vergangenen Tagen - das ist doch noch mal was Tolles, ebenso der dramatische Abendhimmel.

Nun sind wir in Porto Empedocle, werden noch was essen gehen - und das Bier heut Abend haben wir uns echt verdient - denn die paar Kilometer heut waren extrem hart erkämpft.

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19.0ktober 2010

Mazara del Vallo,  Kilometer 2792

Alles begann so gut. Ein Regenbogen zum Frühstück...und sogar ein wenig blau am Himmel.
Nur leider in der falschen Richtung. Bis halb elf hat es sich total eingeregnet, dasselbe Spiel wie gestern. Ein bisschen weniger Wasser von oben, dafür mehr Wind von vorn. In dem hügligen Gelände will jeder Meter wieder hart erkämpft werden.

Gegen Abend freuen wir uns Campobello de Mazara erreicht zu haben, hier wollten wir eine Bleibe für die Nacht suchen. Ein alter Mann spricht uns an:  Was wollt ihr denn hier? Wohin? Eigentlich wollte ich ihn fragen wo es eine Unterkunft gibt... Nein so was haben wir hier im Ort nicht. Ihr müsst nach Mazara, das ist nur noch fünfzehn Kilometer...
Die gleiche Antwort bekomme ich auch in der Bar. Nee hier gibt es nicht s , gar nicht s .

Scheiss, jetzt heißt es reintreten was die müden Beine noch hergeben, es dämmert schon und die Strecke wird ein Wettlauf gegen die Zeit - wir wollen nicht im Dunkeln fahren. So schnell waren wir den ganzen Tag noch nicht.
In Mazara finden wir mal wieder gar nichts. Am Marktplatz fragen wir ein paar Männer - sofort ist das Handy gezückt - man ruft jemanden der eine Unterkunft hat - dieci Minuti - und unser Abholservice ist da. Er bringt uns in ein umgebautes Benediktinerkloster - super gut und günstig.

Später in der Pizzeria fallen wir über das geniale Essen her. Am Nachbartisch feiert eine beachtlich große Gruppe junger Hühner den  18. Geburtstag einer der Mädels. Sie sind auch beachtlich laut, aber total witzig. Als es an die Geburtstagstorte geht, stellen sie uns auch ein Stück hin. Woher seid Ihr und warum seid ihr in Sizilien. - Wir sind extra aus Deutschland mit dem Fahrrad hierher gekommen weil Du Geburtstag hast... Herzlichen Glückwunsch.

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20. Oktober 2010

Palermo, Kilometer 2950

Wir haben s geschafft! Ich kann es kaum glauben -irre. Mensch und Material sind heil, die Beine etwas müde, der Po ist auch froh morgen nicht mehr im Sattel sitzen zu müssen.

Nur der Expander hat wahrlich gelitten und der Akku der Kamera ist so gut wie leer.

Sizilien hat uns heute wieder lieb. Es bleibt trocken, bis Marsala das an der äußersten Südwest Küste liegt, bläst uns der Scirocco noch wild um die Ohren. Am Strand von Marsala weht er uns nur noch Seetang und den Salzgeruch von den Salinen über.

Die Leute hier sagen wenn der Scirocco weht, dann tut er es richtig. Das können wir nur bestätigen.

Ab Trapani trägt er uns durch die Berge bis runter an die Küste und rein nach Palermo...

Hier suchen wir lange nach einer Unterkunft - und auch hier: wir fragen in einem Cafe nach Bed and Breakfast - zack alle haben das Handy am Ohr - und besorgen uns die Adresse einer sehr netten Unterkunft, wo wir auch die nächsten Tage bleiben können.

Die letzten 24 Tage sind wir täglich circa 120 Kilometer gefahren, heute die längste mit fast 160. Es hat insgesamt sehr viel Freude gemacht sich den Süden auf diese Art zu erobern, täglich dem Ziel ein wenig näher zu kommen.

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21. Oktober 2010

Palermo

Es ist total ungewohnt, dass wir heute einfach hier bleiben. Ähnlich dem Tag als wir losfuhren und erst begreifen mussten dass wir heute die Strecke nicht wieder zurückfahren - und auch nicht morgen - realisieren wir erst langsam dass wir nun am Ziel sind.
Man ist schon nach kurzer Zeit so mit dem Rad zusammen gewachsen, dass es zur Normalität wird sich damit den ganzen Tag fortzubewegen.

Einzig die gammeligen Radflaschen werden wir nicht vermissen...

Heute beginnt der organisatorische Teil. Welche Spedition verschickt wie viele Kilo für wie viel Geld? Wie groß darf ein Paket sein? Wo bekommen wir Radkartons als Verpackungsmaterial her?
Genialer weise steht in unserer Unterkunft Casa dei Amici schon einer. Wir brauchen noch einen zweiten. Die Via Divisi ist die Straße aller Radhändler. Leider hat keiner einen großen Karton. Man vertröstet uns auf domani - morgen. Also haben wir jetzt frei und schlendern über die Märkte. Die kleinen Gassen nehmen uns gefangen, due cappucci per favore... - bummeln ist auch mal ganz schön.

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22. Oktober 2010

Palermo

Unsere erste Aktion: entsorgen der gammeligen Radflaschen...

Dann können wir in Ruhe frühstücken, mit den anderen Gästen quatschen und uns danach zwischen den Marktständen hindurch schieben um das Abendessen einzukaufen - schließlich wollen wir auch mal von all den Leckereien probieren.
Wir entdecken so vieles, auch Früchte und Gemüse das wir noch nie gesehen haben ...
Sich einfach treiben lassen.

Der Körper scheint jetzt erst zu merken dass er nicht mehr so viel schaffen muss, langsam holt uns die Müdigkeit und Erholung ein.

Wir schauen den Männern beim Zerlegen der Fische zu, am Theater werden Requisiten für Don Quichote ausgeladen, einer lädt den Schaukelstuhl auf s Dach seines Panda. Im Garibaldi Park unten am Meer gibt es "ficcus sowieso magnolia" Bäume ( gepflanzt 1861) die ich in keinem Urwald bisher so groß gesehen habe.

Am frühen Nachmittag in der Via Divisi haben die Radhändler eine ganze Kollektion an Radkartons für uns aufgehoben - wir haben die große Auswahl. MILLE GRAZIE... Unsere sperrigen Schätze transportieren wir zwischen Schulkindern deren Unterricht gerade aus ist, Mopeds und allem anderen quer durch Palermo. Nun ist das ganze Zimmer voller Karton und wir können entspannt die "Bicis" verpacken.

Am Abend wird im Hostel lecker gekocht - die anderen waren auch auf dem Markt... es duftet und schmeckt so gut,
und
morgen wollen wir den Ätna erobern.

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23. Oktober 2010

Palermo

Wir mieten am morgen einen kleinen Panda und  zockeln los Richtung Ätna. Die Fahrt dahin dauert lange, durch den kurvigen Regionalpark Nebrodi geht es nach Bronte und dann am Fuße des Ätna entlang, schließlich nach oben zur Refugio Sapienza. Hier starten wir die Bergbesteigung, es ist schon fast drei Uhr. Zackig hinauf durch die Lavafelder, oben liegt sogar Schnee, die Sonne knallt, der Berg ist fantastisch. Bis auf wenige Leute die uns noch entgegenkommen sind wir alleine.

Warum gibt es hier so viel Marienkäfer? Ich versteh das nicht. Was machen die hier?

Der Ätna raucht an einigen Stellen. Ganz oben ist eine große schweflig-gelbe Nahtstelle, auch hier qualmt es. Aber überall Schilder mit Danger, periccoloso... alles gesperrt. Der kleine neue Krater vom letzten Jahr ist der einzige der zugänglich ist. Schade, ich hätte es mir spektakulärer vorgestellt. Kollege Vesuv macht sehr viel mehr daher - aber die Einsamkeit mit Schnee hat wahrlich auch ihre stille Schönheit.

Vor allem der Abstieg im letzten Tageslicht ist am Ende berauschend schön. Die untergehende Sonne  taucht alles in ihr rötliches Licht, die Lava beginnt wieder zu glühen.

Zurück fahren wir über die Autostrada, das geht wesentlich schneller. Die zweite Prüfung heute wird a: unsere Straße wieder zu finden, b: einen Parkplatz. Wir sind recht zentral untergebracht und die Stadt bebt vor Autos und Menschen, die samstags Abends unterwegs sind und sich lautstark amüsieren - ganz Palermo feiert Party.

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24. Oktober 2010

Palermo

Das stramme Hoch- und Runter von gestern hat die Beine müde gemacht. Hinzu kommt, dass Dieter beim Auseinanderschrauben der Pedale abgerutscht ist und sich einen Finger verstaucht hat - der mittlerweile gut blau und dick geworden ist.
Außerdem war heute Stachelsammeltag... die Hände sind total vermackt von Dorneneinschlägen...
aua aua... danach reicht es nur noch zur Strandwanderung in San Vito lo Capo und zum lecker Kochen im Hostel.
Morgen ist Montag: konsequenter weise sollte es regnen...

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25. Oktober 2010

Palermo

Bilderbuchwetter am Montag. Wir lassen uns gerne überzeugen dass es auch anders sein kann.

Der Morgen beginnt mit Schwerstarbeit. Die Fahrradkartons müssen zur Posta express, die nicht allzuweit ist, in tragbarer Distanz. So tragen wir die sperrigen Teile dorthin, manövrieren uns durch den Verkehr - die Bürgersteige sind meist zu schmal oder vollgeparkt. Knapp 30 Kilo hat jeder Karton. Nun sind sie unterwegs nach Deutschland. Uff

Den Tag verbringen wir in der verwinkelten Altstadt von Agrigento und im Tal der Tempel, die direkt vor der Stadt liegen. Der Ausflug dorthin ist ein schöner Abschluß - es ist unser letzter Tag.

Unsere Tim Telefonkarte ist aufgebraucht - gerade zur rechten Zeit. So ist dies unser letzter Bericht bevor es morgen nach Pisa geht und am Mittwochabend ins kalte Deutschland. Lieber würden wir die Fähre Richtung Afrika nehmen, die Räder wieder auspacken und Richtung Kapstadt radeln... das heben wir uns auf für die nächste Tour... :-)

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Tag für Tag ..